Erstkontakt
Am 14.Mai 1856 kam der Guppy erstmals nach Deutschland (Berlin), gesammelt von einem Herrn Julius Gollmer. Zu dieser Zeit waren schon andere Lebendgebärende aquaristisch bekannt, der Guppy wurde allerdings erst 1908 in einem Aquarium gehalten. Das heißt, dieser ist der älteste schriftlich belegbare Zeitpunkt, es könnte schon etwa um 1900 geschehen sein, aber es fehlen hierzu Daten. Bis zu diesem Zeitpunkt, gab es nur "eingelegte" Guppys zu beschauen.
Neuigkeit Lebendgebärende
Der Kaudi (Phalloceros caudimaculatus) und der Dezi (Cnesterodon demmaculatus) kamen lebend 1898 nach Deutschland, der Schwertträger soll 1864 erstmals gekommen sein. Die Scalare und Makropoden kamen 1869 nach Europa (lebend). Sie wurden mit allerhand Mythen und Phantasienamen versehen... Diese Fische wurden schon in Gewächshäusern, Wintergärten sowie verschiedenen Ausstellungsräumen und Vorräumen bei den "Reichen Leuten" gehalten, als die "Neuigkeit" Guppy ankam.
Teures Aphrodisiakum
Der erste Guppy kam als Liebesgeschenk von einem Seemann an seine Geliebte. Der Versteigerungspreis hatte 80 Goldmark betragen. Es war ein stattlicher Preis, das Geld hätte bestimmt für die Rente dieses Seemannes gereicht! Solche Mitbringsel waren damals nicht ungewöhnlich. Die Fische wurden oft nur als "Fische" bezeichnet, keiner weiß heute, was damals gemeint war. Man konnte damals die Arten nicht unterscheiden.
In Asien wurde schon seit Jahrhunderten Farbenzucht bei Schleierkampffischen betrieben!!! Und von den Kois ganz zu schweigen. In Europa waren wir also total rückständig.
Woher stammt der Name "Guppy"?
Das mit dem Guppy verhält sich so (und jetzt überspringe ich etwa 19 verschiedene Namensgebungen der Art, um die Geschichte nicht allzu lang werden zu lassen), dass einst um 1866 ein Abteilungsleiter im British Museum in London namens Albert Günther, eine Sendung lebendiger Guppys aus Trinidad zugesandt bekam. Der Sammler war ein Geologe und Pflanzensammler namens Robert John Lechmere Guppy!
Günther fiel nie auf, dass es sich dabei um eine schon bekannte Art handeln könnte, bzw. dass sie artidentisch mit den von Peters sowie de Filippi schon beschriebenen Fischen waren. Daher gab er seinen Fischen einen neuen Namen: Girardinus Guppii. Und unter diesem Namen (und deren verkehrt buchstabierten Varianten) begann der Guppy sein aquaristisches Leben!
Namenssuppe
Man hatte zu der Zeit also drei "verschiedene Arten" in aquaristischer Obhut:
  • "Poecilia poecilioides" aus Barbados,
  • "Girardinus Guppyi" aus Trinidad, sowie
  • "Poecilia reticulates" vom Venezolanischen Festland.
Zum Schluss hat dann endlich ein gewöhnlicher Hobbyaquarist das Problem gelöst. Das war der Seekapitän namens J. A. M. Vipan, der auf Bestellung von verschiedenen Auftraggebern (Wissenschaftler) nach Fischen suchte.
Im Gegensatz zu seinen gelehrten Auftraggebern, die meistens ihre Beobachtungen an toten, in Spiritus oder Formol eingelegten Tieren machten, hat er sich seine Fische lebend im Aquarium angeschaut. Er hielt drei dieser Varianten zuhause bei sich, und stellte dabei fest, dass sie sich ausgezeichnet kreuzen ließen, und entschied sich dafür, dass die Beschreibung von Peters "der Sieger" sein sollte.
1=2
Lange Zeit verging, bis sich Tate Regan bei dem British Museum in London die Gonopodien anschaute, die gleichen Fertilitätstests durchführte und darauf zu der gleichen Ansicht kam: "Es handelt sich um die gleiche Art" Aber er meinte immer noch, dass sie Lebistes heissen sollten, und diesen Namen behielten sie dann sehr, sehr lange, bis 1963.
Um die Geschichte hier zu kürzen: Heute sind tatsächlich, komischerweise, sensu strictu zwei Bezeichnungen für den Guppy wissenschaftlich korrekt:
  • Poecilia (Acanthophacelus) reticulata PETERS 1859 sowie
  • Acanthophacelus reticulatus (Peters 1859)

So, das war die Historienlektion für heute.