Vorbemerkung
Dr. Peter Burgess ist freier Hochschullektor und Senior-Berater für aquaristische Wissenschaften des Aquarian Advisory Service, PO Box 5059, Melton Mowbray, Leicestershire, LE14 4ZN, England. Er hat mir freundlicherweise einen Artikel über Reisfische zur Verfügung gestellt.
[Übersetzung: Gerald Gantschnigg, Erläuterungen in eckigen Klammern]
Einfuhrbeschränkungen
Die japanischen Reisfische sind ausgezeichnete Kandidaten für das kleine unbeheizte Aquarium. Traurig ist, dass dieser kleine Fisch heutzutage in der Aquaristik kaum noch zu finden ist.
Vor einigen Jahren konnten japanische Reisfische in bescheidenen Stückzahlen im britischen Handel erworben werden. Sie tauchten in den Geschäften während der Frühlings- und Sommermonate, zusammen mit verschiedenen nordamerikanischen Importen wie Sonnenbarschen, Albino-Elritzen, Regenbogen-Elritzen und Rotbauch Dace [Phoxinus spec.], auf. Vermutlich haben die britischen Beschränkungen für den Import exotischer Kaltwasserfische die Einfuhr von Oryzias gehemmt, obwohl für diese keine Lizenz benötigt wird.
Transgenetische Reisfische
An vielen Orten auf der Welt hat der japanische Reisfisch ein Comeback, aus meiner Sicht aber aus den falschen Gründen. Zusammen mit Zebrabärblingen bildete der Reisfisch das Ziel genetischer Mutationsexperimente. Dies kulminierte in der kommerziellen Produktion transgenetischer Fische, die in der Dunkelheit leuchten. In manchen Ländern ist es möglich, dekorative Zebrabärblinge und Reisfische zu kaufen, die ein Grün, ein Rot oder ein Gelb ausstrahlen. Die leuchtende Farbe wird durch Leuchtstoffproteinmoleküle produziert, die von Quallen oder von Korallen erhalten werden können. Die Gene, die diese Proteine kodieren, sind in das genetische Material des Fisches (seine DNA) eingesetzt worden.
Diese "synthetischen" Fische haben für viel Aufruhr gesorgt und eine kontroverse Diskussion um den Handel mit genetisch veränderten Haustieren verursacht.
Infolgedessen haben einige Länder ihren Verkauf verboten, während andere sie offen als dekorative Neuheiten handeln. Soweit ich weiß dürfen leuchtende Reisfische (und Zebrabärblinge) nicht für die Aquaristik nach Großbritannien importiert werden, allerdings werden einige legitim für molekulargenetische Labore eingeführt.
Ideal für das kleine Aquarium
Der Grund für diesen Artikel ist, ein erneutes Interesse für die Haltung des japanischen Reisfisches (den natürlichen, genetisch unveränderten) zu wecken und zu fördern. Zusammen mit dem Kardinalfisch ist der ruhige kleine Reisfisch viel besser für das kleine unbeheizte Aquarium geeignet als der beträchtlich größere (und gründelnde) Goldfisch. Als solcher ist er der ideale Anfängerfisch für das Kaltwasseraquarium. Und mehr, er vermehrt sich auch bereitwillig in einem kleinen Aquarium und zeigt dort sein faszinierendes Fortpflanzungsverhalten.
Vermehrung des Reisfisches
In ihrem Ursprungsland Japan liegt die Fortpflanzungszeit zwischen April und Oktober. Unter Aquarienbedingungen laichen sie oberhalb einer Temperatur von 15°C, vorausgesetzt, es gibt genügend Lichtstunden pro Tag (kurze Tageslängen hemmen das Laichen).
Die Geschlechtsunterschiede bei erwachsenen Fischen sind ziemlich deutlich, die Männchen sind schlanker und haben etwas verlängerte Strahlen der dorsalen und analen Flossen. Die Befruchtung erfolgt normalerweise außerhalb, aber diese Fische sind anscheinend auch zur inneren Befruchtung fähig. Diese Fähigkeit, zwischen den Reproduktions-Modi zu schalten, ist unter Fischen extrem selten. Die Weibchen können durch Eier stark anschwellen. Es wurde beobachtet, dass sie auch dann noch Eiballen abgeben, wenn keine Männchen mehr anwesend sind.
Oryzias latipes: Weibchen mit Eiballen (c) Peter Burgess
Bild 1: Weibchen mit Eiballen
Die Weibchen verteilen ihre Eier nicht, sondern tragen sie als kleine Ballen vor ihrer Genitalöffnung mit. Die Ballen ähneln einer Weintraube und enthalten gewöhnlich 10-20 Eier, von denen einige wie an feinen Fäden hängen. Am wahrscheinlichsten ist das Auftreten von Eiballen in den frühen Morgenstunden, wenn auch die Befruchtung durch die Männchen stattfindet.
Ein Weibchen kann über Tage oder sogar Wochen jeden Tag einen neuen Eiballen produzieren. Innerhalb weniger Stunden beginnt das Weibchen damit, die Eiballen an der Bepflanzung anzubringen, indem sie langsam mit der Genitalöffnung über ein Blatt oder einen Blattstiel streicht. Häufig ist ein wiederholtes Vorgehen nötig, um eines oder mehrere Eier abzustreifen. Die Eier sind bei guter Beleuchtung nicht schwer in den Pflanzen auszumachen. Büschel feinfiedriger Pflanzen sind ideal für die Eiablage, aber auch andere Pflanzen werden angenommen, wenn sie sich nur nahe genug an der Wasseroberfläche befinden.
Oryzias latipes: Ei (c)Peter Burgess
Bild 2: Ei von Oryzias latipes
Die relativ großen und harten Eier sollten entweder zusammen mit der Pflanze oder durch Ablesen mit der Hand in eigene Aufzuchtgefäße überführt werden. Abhängig von der Wassertemperatur dauert die Eientwicklung 10 bis 14 Tage. Eine gute Wasserqualität ist während der langen Inkubationsphase wichtig, aber selbst unter hygienischen Bedingungen wird ein kleiner Teil der Eier einem Pilzbefall erliegen (möglicherweise waren einige unbefruchtete Eier mit dabei?).
In diesem Frühjahr, wenn meine Reisfische das Laichen beginnen, plane ich, den überführten Eiern etwas "Pimafix", ein neues Anti-Pilzhilfsmittel, zuzugeben, in der Hoffnung, den Pilzbefall zu verringern. Die Jungfische können leicht mit fein zerriebenem Trockenfutter oder Flüssigfutter und Artemianauplien aufgezogen werden.
Datenblatt
  • Andere Namen: Medaka, Geisha-girl. Die Bezeichnung "Reisfisch" bezieht sich auf die Reisfelder, in denen sie ihrer Heimat Japan gefunden werden
  • Taxonomie: Oryzias latipes wurde 1846 erstmalig von Temminck und Schlegel beschrieben. Die Gattung Oryzias wird jetzt der Familie Adrianichthyidae zugeschrieben
  • Natürliche Verbreitung: Japan, China, Korea, Formosa
  • Größe: bis etwa 3,5cm
  • Farbe: Wildformen sind silbergrau. In der Aquaristik am weitesten verbreitet ist eine gelbe (xantho) Form, schwankend von blassgelb bis orange
  • Nahrung: Ich füttere Goldfisch-Futterflocken und gefrorene/lebende Artemianauplien, kleine Daphnien und Mückenlarven. Reisfische fressen bevorzugt von der Oberfläche, begeben sich für ein Mahl aber auch in die unteren Regionen
  • Vergesellschaftung: Diese friedlichen Fische fühlen sich unter sich am wohlsten, in Gruppen von sechs oder mehr Individuen. Sorgen Sie für viele buschige Oberflächenpflanzen für die Eiablage
  • Wasseransprüche: anspruchslos, eine gute Wasserhygiene vorausgesetzt. Ideal ist ein neutraler bis leicht alkalischer pH-Wert. Ihre große Temperaturtoleranz ermöglicht es, die Fische im unbeheizten Zimmeraquarium oder im Gartenteich zu halten. Ich habe Populationen dieser Fische in Südengland das ganze Jahr draußen gehalten, obwohl ich es vorziehe, sie im Winter in kühlere Innenräume zu überführen
  • Weitere Oryzias-Arten: 22 weitere Arten werden nach fishbase.org beschrieben. Anders als O.latipes sind diese ausschließlich tropische Arten, die ein geheiztes Aquarium erfordern