Picta die Vielfarbige
Vielleicht "das Gegenstück zur Velifera"? Hier haben wir einen richtigen Winzling, der jedoch eine unendliche Vielfalt an Farben und Mustern aufweisen kann. Auf den fotografischen Abbildungen bekommt man oft gelbe fleckige Muster zu sehen, mit schwarzer Einrahmung, Kommazeichen und Flecken, aber diejenigen, die den Fisch gehalten haben, wissen, dass sich die Musterung in Wirklichkeit nicht auf diese Farben begrenzt. Einige möchten einen Typus mit überwiegend roter Musterung als eine lokale Variante ernennen.
Die meisten Exemplare haben einen wunderbaren, perlmuttartigen Schimmer, in verschiedenen Farbtönen. Es ist also ein richtig spannender Fisch, besonders für den, der etwas mehr graziles als einen Guppy halten möchte.
Verbreitung
Die Typuslokalität ist Demerara im Britischen Guyana, aber die Art kommt auch auf Trinidad und in Brasilien vor. Sie wurde 1981 von einem Klubbkameraden nach England und Deutschland importiert, wonach sie sich trotz der Hälterungsschwierigkeiten erstaunlich schnell bei Hobbyaquarianern vor allem in Europa ausbreitete.
Die Art wird manchmal mit Guppys, deren Körperform an die Pictas erinnert, verwechselt. Guppys sind aber viel größer. Die Pictas werden allerhöchstens 4-5 cm, die Männchen bis 3 cm groß. Die Weibchen haben einen typischen dunklen Fleck zwischen dem Auge und dem Rückenflossenansatz.
Tödliche Wasserwechsel
Eine ähnliche Art aus Brasilien, Poecilia (Micropoecilia) parae, wird auf beinahe die gleiche Weise gepflegt und gezüchtet. Man sollte dabei keine allzu grossen Wasserwechsel vornehmen, diese sind ohne Übertreibung das sicherste Mittel, die Tiere umzubringen. Ich hatte selber einen 30%-igen Wasserwechsel vorgenommen, nachdem ich mal zwei Wochen von Zuhause weg war. Keine Fütterung wurde während dieser Zeit vorgenommen, also nahm ich an, sollte das Wasser einigermaßen in Ordnung gewesen sein, aber dass vielleicht doch ein kleiner Wasserwechsel gut sein könnte. Sämtliche adulten Tiere sind sofort gestorben! Aus diesem Grund sollte man nur sehr langsam Veränderungen der Wasserwerte durchführen.
Obwohl die Art (beide Arten) von Brackwasserzonen herstammen, scheint es jedoch, als ob weiches Wasser vorteilhaft auf das Gedeihen der Tiere in aquaristischer Obhut einwirkt.
Haltungsschwierigkeiten und Fortpflanzungsprobleme
Die Weibchen werden sehr spät fortpflanzungstauglich, nicht vor einem Alter von acht Monaten, die Männchen dagegen werden nach drei oder manchmal fünf Monaten geschlechtsreif. Die ersten Würfe betragen 6 Jungtiere, später bekommen sie nie mehr als 15. Dies haben sie mit den Wildformen des Guppys gemeinsam, beispielsweise Poecilia wingei (auch Endlers Guppy genannt, der aber genau genommen ja nicht mehr zu den Guppys zählt).
Der grosse Unterschied betreffend des Zeitpunkts der Geschlechtsreife der Weibchen könnte auf die Aufzucht in aquaristischen Verhältnissen beruhen, die Einquartierung durch Menschen passt nicht allen Fischarten. Viele, die diese Art gepflegt haben, machen die Angabe, dass die Fische ständig kränkeln und dass sie sich nur sehr knapp bis zur Bestandserhaltung vermehrt haben. Die Probleme sollen angeblich futterbedingt sein. Für die Art Poecilia (Micropoecilia) parae wird in Wissenschaftlerkreisen angegeben, dass die Hälterung besonders schwierig sei: "Bodenkriecher" werden geboren, wobei man versucht hat, dem mit hormonellen Gaben abzuhelfen. Besser wäre wohl ein Zusatz von wasserlöslichen Vitaminen, vor allem Vitamin D3.
Eher Fische für Spezialisten
Eigentlich weiß man nicht so richtig, was diese Art braucht, um sich wohlzufühlen. Man hat auch nicht die Verhältnisse bei den Züchtern näher analysiert, wo die Tiere es geschafft haben sich zu vermehren. Üblicherweise ist es so gewesen, dass man es geschafft hat, die Tiere etwa zwei bis drei Jahre zu halten, danach sind sie aber ausgestorben. Ich habe allerdings meine Tiere eine längere Zeit behalten können.
Ich habe sie in einem gut eingefahrenen Becken gehalten, wo ich abwechselnd mit algenbasiertem (viel Spirulina) Trockenfutter und stark proteinhaltigem Lebendfutter (beispielsweise Mikrowürmchen) und Moina (eine Art Daphnie), füttere. Obwohl es keine Schwierigkeiten gibt, ein Futter zu finden, das sowohl von den Erwachsenen als auch von den Jungtieren angenommen wird, sind die Micropoecilien doch Fische, deren Haltung ein wenig Fingerspitzengefühl benötigt. Es sind süße Tiere, aber wohl eher etwas für Spezialisten.