Einleitung
H.formosa, Paar [© minifische.de]
Die Heterandrien sind alle langestreckt und, mit der Ausnahme von H. formosa, recht bullig gewachsene, mit einem grossen
Kopf versehene Arten. Die unterschiedlichen Arten kommen ausschließlich in Süd-Carolina, Georgia, Florida und Louisiana
vor. Es wird angenommen, dass sie sehr nahe mit den „falschen“ Schwertträgern, den Pseudoxiphophorus', verwandt sind, aber
diese Sache wird noch diskutiert. Der Name Heterandria steht für „andersartige Männchen“.
Wassertemperatur
Die Art Heterandria formosa ist ein kleinwüchsiger Vertreter der Lebendgebärenden Fische, ihre Weibchen werden höchstens 4
H.formosa

32mm [© minifische.de]
bis 5 cm lang, die Männchen nur halb so gross. Es ist eine attraktive Art, die beim Liebhaber gut zur Geltung kommt. Ich
habe ab und zu selber diese Art gehalten, aber dabei öfters Probleme mit der Wasserkühlung gehabt. Die Art braucht niedrige
Wassertemperaturen um richtig zu gedeihen. Mir ist es oft passiert, dass sogar nur die Beckenbeleuchtung ein Zuviel an Wärme
erzeugt hat! Bei kleineren Becken, etwa unter 20 Liter Wasservolumen, ist das Risiko übergroß, besonders im Hochsommer.
Ein Geheimtipp von mir: PET-Flaschen mit Wasser gefüllt einfrieren, und eine nach der anderen im Becken auftauen lassen!
Nach Gebrauch einfach wieder einfrieren.
Ich habe diese Fische beispielsweise zusammen mit Wildguppies und Corydoras
barbatus gehalten, beiden bekommt ein ungeheiztes Becken vorzüglich. Die Barbatus' haben auch noch einen geringen
Salzzusatz vertragen (selbstverständlich nicht bei allzu hartem Wasser), was für die übrigen Arten auch von Vorteil gewesen ist.
Um es für den Heterandrien gemütlich zu halten, darf die Wassertemperatur 25 °C nicht überschreiten. Als die
Temperatur diese Grenze während längerer Zeit überschritten hat, sind sie bei mir und manch' anderem Züchter oft an inneren
bakteriellen Infekten erkrankt und schließlich gestorben.
Färbung
Die Zwergkärpflinge haben einen hellen, grünlich-grauen Farbton am Körper, der auf der Rückenseite dunkler erscheint.
H.formosa

17mm [© minifische.de]
Längs der gesamten Körperseite verläuft ein schwarzes, relativ breites Band. Die Rücken- und Analflosse beider
Geschlechter haben jeweils einen schwarzen Fleck, außerdem hat die Rückenflosse der Männchen und Weibchen eine
karmesinrote äußere Umrandung. Abhängig von der Fütterung kann manchmal eine dunkle Querbänderung schwach zu
erkennen sein, besonders in Richtung zum Hinterkörper. Es soll auch Populationen geben, die etwas gelbliche Flossen
aufweisen. In einigen Aquarienstämmen kommen vereinzelt „blonde“ Exemplare vor.
Verhalten
Natürlich vorkommend bewohnen sie flache Süß- und Brachwasserzonen und halten sich meistenteils in den Uferzonen
unter überhängender Vegetation auf. Die Heimatgewässer sind meistenteils sauerstoffarm und sehr reich an Mikroorganismen.
Demnach sind diese Tiere auch vorrangig in langeingefahrenen Becken zu halten. Javamoos und anderes, worin die Mikroflora
sich breitmachen kann, ist also eine Voraussetzung, um die Pflege und Vermehrung dieser Art zu ermöglichen.
Ansonsten sind
sie dankbare Pfleglinge, die keinem etwas antun, eher ist es umgekehrt der Fall. Wenn die übrigen Mitbewohner einen allzu
großen Größenunterschied gegenüber den Zwergkärpflingen aufweisen, können diese scheu werden und sich gänzlich
fernhalten. Sie werden sich dann meist in den Büschen aus Javamoos aufhalten, um nur zu Fütterungszeiten hervorzuschauen.
Ich habe sogar feststellen müssen, dass Limien die nur eine Woche alt waren, die Heterandrien angreifen konnten, geschweige
denn auch noch deren Junge! Meistens schaffen es die adulten Exemplare zu fliehen, aber der Stress ist für die Arterhaltung
wenig förderlich. Mit passender Vergesellschaftung allerdings, sind sie überhaupt nicht schüchtern!
Kleine bis halbwüchsige Panzerwelse sind gute Beckenpartner. Pygmäenpanzerwelse sind lustige Kumpels, wer ist wer beim
12l Minibecken [© minifische.de]
„Schwarmschwimmen“? Die fehlende überhängende Vegetation kann durch Najas oder Ähnliches vorgetäuscht werden, diese werden
gerne von den Heterandrien umschwommen. Es macht ihnen dabei nichts aus, dass es sich um eine relativ locker gewachsene
Pflanzendecke handelt. Dadurch ergeben sich auch gute Beobachtungsmöglichkeiten. Die winzigen Jungtiere mögen es, sich
in Riccia-Dickichte zu verstecken. Javamoos und Ähnliches ist dabei weniger vorteilhaft, denn solche wachsen zu tief
ins Becken, um für Futtersuche und als Versteckmöglichkeit zu taugen. Aber sie sind besser als gar nichts. Im Übrigen stellen
die Heterandrien keine allzu grossen Ansprüchen an die Wasserqualität. Sie werden schon seit geraumer Zeit gehalten und
vermehrt, und sind seit mindestens 1912 nach Europa und Deutschland importiert worden.
Nahrung
Das beste Futter sind und bleiben neugeschlüpfte Artemien, aber die Heterandrien verkraften auch Daphnien und beispielsweise
Mückenlarven. Den schwarzen können jedoch verpuppte Larven beigemengt sein, die den Zwergen ein wenig zuviel des Guten
sind. Infusorien werden von Jungtieren sowie den Erwachsenen genommen, aber bitte dabei auf die Wasserqualität achten.
Und noch ein Observandum: Es gibt räuberische Infusorien, Reinkulturen von Pantoffeltierchen oder Rädertierchen sind
gegenüber den potentiell gefährlichen eigenen Freilandfängen vorzuziehen. Flockenfutter wird auch angenommen. Unter
den Frostfuttersorten können aber die Bosminen für die jungen Zwergkärpflinge etwas schwierig zu überwältigen sein, weil
diese zwar klein genug, aber völlig kugelrund sind, und deshalb arg steckenbleiben können!
Aufzucht
Die neugeborenen Zwergkärpflinge sind winzig klein, nur 2 mm lang. Die Heterandrien werfen nicht alle ihre Junge auf
einmal, sondern eins nach dem anderen, da sie nach und nach in ihrer Mutter ausreifen. Es kann bis zu 3-4 Tage zwischen
H.formosa juv., 5mm ©minifische.de
jedem Wurf dauern, aber normalerweise bekommt das Weibchen einige Junge pro Tag, bis zu 5-6 (oder einfach nur eins!).
Nach einer darauffolgenden Pause von im Normalfalle etwa 10 Tagen (es kann aber auch bis zu 70 Tage dauern!) kommt dann
ein neuer Wurf. Die Pausen können abwechselnd kurz oder lang sein. Nach einer längeren Ruhepause schliesst sich dann
eine Wurfperiode von drei Wochen an. Alles verstanden in dieser Beschreibung? Die Jungen haben bevor sie geboren werden,
ein sehr kleines Eidotter, was bedeutet, dass sie extra Nahrung von der Mutter brauchen. Diese Versorgung geschieht
durch sogenannte Follikeln, die möglicherweise mit den Eierstöcken der Mutter in Verbindung stehen.
Man hat dies
allerdings noch nicht als Tatsache beweisen können, einige Forscher meinen, dass die Weibchen mit einer Protoplacenta
ausgerüstet sind, die für diese Nahrungsversorgung verantwortlich ist. Die Follikeln sind eine Art von auf der
Bauchregion der Jungtiere sitzenden, nach aussen gerichtete Hautfalten. Sobald die Jungen geboren sind, brauchen sie
winziges Futter. Ein alteingefahrenes Aquarium mit vielen Mikroorganismusen ist deshalb sehr vorteilhaft bei der
Zucht dieser Art. In einem solchen geht alles von selbst, ohne weitere Maßnahmen. Die Jungen werden kaum von den
Eltern behelligt.
Schlussbemerkungen
Die Männchen sind sehr intensiv, beinahe aggressiv, bei der Balz. Sie hetzen die konkurrierenden Männchen kreuz und
quer durch das Becken, wenn sie richtig in Gang gekommen sind. Es sind reizende, kleine Fische, die wärmstens
empfohlen werden können, wenn man sich etwas für ein kühles Becken wünscht. Die Art ist meines Erachtens auch für
Hobbyeinsteiger gut geeignet.